Messtechnik
Volumenstrommessung & Funktionskontrolle
Die Volumenstrommessung und Funktionskontrolle sind Kernbestandteile jeder Laborabzugsprüfung. Erfahren Sie, wie die Messung abläuft und welche Werte eingehalten werden müssen.
Die Volumenstrommessung ist das Herzstück jeder Laborabzugsprüfung. Sie misst den tatsächlichen Abluftvolumenstrom und die Einströmgeschwindigkeit an der Arbeitsöffnung. Zusammen mit der Funktionskontrolle aller sicherheitsrelevanten Komponenten gibt sie Aufschluss über den Zustand und die Schutzwirkung des Abzugs.
Warum ist der Volumenstrom so wichtig?
Der Laborabzug funktioniert nach einem einfachen physikalischen Prinzip: Ein Ventilator erzeugt einen kontinuierlichen Luftstrom aus dem Laborraum in den Abzug hinein und durch den Abluftkanal nach außen. Dieser Luftstrom reißt freigesetzte Gefahrstoffe mit und verhindert, dass sie in den Atembereich des Laborpersonals gelangen.
Ist der Volumenstrom zu gering, können Gefahrstoffe aus dem Abzug austreten – der Personenschutz ist nicht mehr gewährleistet. Ist er zu hoch, entstehen Turbulenzen an der Arbeitsöffnung, die ebenfalls zum Austritt von Gefahrstoffen führen können. Zudem steigt der Energieverbrauch unnötig an. Der optimale Volumenstrom ist daher ein Balanceakt zwischen Sicherheit, Energieeffizienz und thermischem Komfort im Labor.
Messverfahren und Normvorgaben
Die DIN EN 14175-4 definiert die Prüfverfahren für die Messung vor Ort. Folgende Methoden kommen zum Einsatz:
Flügelradanemometer
Ein Flügelrad dreht sich im Luftstrom, die Drehzahl wird elektronisch erfasst und in eine Strömungsgeschwindigkeit umgerechnet. Robustes und weit verbreitetes Verfahren für Standardmessungen. Geeignet für Einströmgeschwindigkeiten im Bereich von 0,2 bis 20 m/s.
Hitzdrahtanemometer
Ein elektrisch beheizter Draht wird durch den vorbeiströmenden Luftstrom abgekühlt. Die erforderliche Heizleistung zur Aufrechterhaltung einer konstanten Temperatur ist ein Maß für die Strömungsgeschwindigkeit. Besonders geeignet für niedrige Strömungsgeschwindigkeiten und turbulente Strömungen.
Balgenmessgerät
Ein volumetrisches Messverfahren, bei dem der Luftstrom über einen definierten Querschnitt in einen Balg geleitet wird. Gilt als Referenzverfahren mit hoher Genauigkeit. Wird häufig zur Kalibrierung anderer Messgeräte eingesetzt.
Sollwerte für die Einströmgeschwindigkeit
Die DIN EN 14175 gibt keine absolute Zahl als Sollwert vor, sondern definiert einen Prüfrahmen. In der Praxis haben sich folgende Richtwerte etabliert:
- Standard-Abzug: 0,4–0,6 m/s bei geöffneter Arbeitsöffnung (500 mm)
- Digestorium: 0,5–0,7 m/s aufgrund höherer thermischer Belastung
- VAV-Abzug (variabler Volumenstrom): 0,4–0,5 m/s bei Betriebsstellung
- Wägeabzug: 0,3–0,5 m/s zur Vermeidung von Turbulenzen beim Einwiegen
Funktionskontrolle – mehr als nur Messung
Die Volumenstrommessung allein macht noch keine vollständige Prüfung aus. Die DIN EN 14175 fordert eine umfassende Funktionskontrolle, die folgende Punkte umfasst:
Strömungsüberwachung
Test des optischen und akustischen Alarms bei Unterschreitung des Grenzwerts. Bei VAV-Abzügen Prüfung der Regelgenauigkeit bei verschiedenen Scheibenpositionen.
Beleuchtung
Funktionsprüfung der Innenbeleuchtung, Sichtkontrolle auf Beschädigungen der Leuchtenabdeckung.
Scheibenmechanik
Prüfung des Leichtlaufs der Frontscheibe, Funktion der Arretierung und der Sicherheitsendschalter bei motorischen Antrieben.
Medienversorgung
Kontrolle der Gas-, Wasser- und Druckluftanschlüsse auf Dichtheit und Funktion. Prüfung der Absperrventile.
Kalibrierung der Messgeräte
Die Aussagekraft der Messergebnisse steht und fällt mit der Kalibrierung der eingesetzten Geräte. Die DIN EN 14175-4 fordert, dass die verwendeten Messgeräte regelmäßig kalibriert werden müssen. Fragen Sie Ihren Prüfdienstleister nach der Kalibrierbescheinigung der eingesetzten Instrumente.
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